ChatGPT Enterprise vs. Microsoft 365 Copilot vs. Claude Enterprise vs. Gemini: DACH-Vergleich 2026
Copilot 26 €, ChatGPT Business und Claude Team je 20 USD pro Seat (Stand Oktober 2026). Der Preis entscheidet nicht: EU-Datenverarbeitung, AVV und Use-Case-Fit tun es.
Schlüsselzahlen auf einen Blick
- Preis pro User pro Monat (Listenpreise der Anbieter, Stand Oktober 2026): Microsoft 365 Copilot 26,00 € zzgl. MwSt. bei jährlicher Zahlung, als Add-on zu einer berechtigenden Microsoft-365-Lizenz (Copilot Business für bis zu 300 Nutzer bis 31.12.2026 im Angebot für 15,60 € statt 18,20 €, Sonderpreis nur im ersten Jahr). ChatGPT Business 20 USD (Standard-Seat, jährlich), ChatGPT Enterprise ohne Listenpreis, nur über den Vertrieb. Claude Team 20 USD (Standard-Seat, jährlich), Claude Enterprise 20 USD pro Seat plus Nutzung zu API-Preisen. Google Workspace Business Standard mit Gemini 13,60 € ohne Steuern (einjährige Laufzeit), Gemini Enterprise App ab 21 USD. Plus Implementations- und Schulungs-Aufwände.
- EU-Datenverarbeitung 2026: Microsoft 365 Copilot läuft für EU-Kunden innerhalb der EU-Datengrenze (Ausnahme: die in Copilot angebotenen Anthropic-Modelle). ChatGPT Enterprise unterstützt Datenresidenz in zehn Regionen, darunter die EU. Bei Claude direkt von Anthropic werden Daten laut Anthropic in den USA gespeichert, EU-Verarbeitung gibt es über Amazon Bedrock und Google Cloud. Google nennt Datenspeicherorte für die Workspace-Enterprise-Tarife und für Gemini Enterprise Standard und Plus.
- AVV-Verfügbarkeit: Alle vier Anbieter bieten für ihre Geschäftspläne Auftragsverarbeitungs-Verträge an: OpenAI (Business, Enterprise, API), Microsoft (Product Terms und Data Protection Addendum), Anthropic (Data Processing Addendum), Google (Cloud Data Processing Addendum). Private Konten laufen ohne Vertrag zwischen Ihrem Unternehmen und dem Anbieter, also auch ohne AVV.
- Agenten sind der neue Vergleichspunkt: Microsoft Agent 365 ist seit 1. Mai 2026 allgemein verfügbar (15 USD pro Nutzer und Monat oder in Microsoft 365 E7). Anthropic legt seit 16. September 2026 Cowork und Chat zu einem Claude zusammen, schrittweise je Plan. OpenAI schaltet den Agent Builder am 30. November 2026 ab und rollt mit „dots" dauerhaft laufende Agenten aus.
Wenn Sie als Geschäftsführer, CIO oder IT-Lead im DACH-Mittelstand 2026 vor der Frage stehen „welches Enterprise-KI-Tool sollen wir ausrollen", dann ist die ehrliche Antwort: kommt drauf an, und der Preis ist NICHT der Hauptfaktor. Die Seat-Preise liegen inzwischen eng beieinander. Entscheidend ist, ob das Tool zu den Systemen passt, in denen Ihre Leute arbeiten, und wie der Anbieter mit Ihren Daten umgeht.
Dieser Post liefert den kompletten Vergleich der vier wichtigsten Enterprise-KI-Anbieter 2026 für DACH-Mittelstand: ChatGPT Enterprise (OpenAI), Microsoft 365 Copilot, Claude Enterprise (Anthropic), Google Workspace Gemini. Mit DSGVO-Status, Use-Case-Empfehlungs-Matrix und drei typischen Auswahl-Fehlern.
Stand: Oktober 2026
Wer dieser Post ist und wer nicht
Dieser Post richtet sich an Geschäftsführer, CIOs, IT-Leads und Heads-of-Procurement im DACH-Mittelstand (50 bis 500 FTE), die 2026 eine Enterprise-KI-Tool-Entscheidung treffen oder eine bestehende re-evaluieren. Konkret: Sie haben mindestens 50 Lizenz-Bedarf identifiziert und müssen zwischen den vier wichtigsten Anbietern wählen.
Nicht passend ist der Post für reine Coding-Agent-Vergleiche (Cursor, GitHub Copilot, Claude Code). Für die ist unser separater Coding-Agent-Vergleich der bessere Einstieg. Auch nicht für sehr kleine Setups unter 10 Lizenzen: Dort ist die DSGVO-Komplexität geringer und der Preis-Unterschied irrelevant.
Die vier Enterprise-KI-Tools 2026 im Überblick
Microsoft 365 Copilot
Was es ist: KI-Assistent, tief in Microsoft 365 (Outlook, Teams, Word, Excel, PowerPoint, SharePoint) integriert. Greift auf Unternehmens-Daten zu, die bereits in M365 liegen, und zeigt nur Inhalte, die der jeweilige Nutzer selbst sehen darf. Antwortet kontextbewusst auf Basis des aktuellen Dokuments, der Mail oder des Teams-Channels. Microsoft benennt das Produkt in seiner Dokumentation gerade in „Microsoft Copilot" um; Lizenzen und Preisseite tragen in der Übergangszeit noch den alten Namen. Copilot Chat ist für Nutzer mit berechtigender Microsoft-365-Lizenz ohne Aufpreis enthalten. Eigene Agenten baut man in Copilot Studio: Seit Mai 2026 bekommt dort jeder neue Agent automatisch eine Microsoft Entra Agent ID. Mit Agent 365 verwaltet die IT Agenten zentral.
Preis 2026 (Stand Oktober 2026): Microsoft 365 Copilot kostet 26,00 € pro Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung oder 27,30 € bei monatlicher Zahlung im Jahresabo, jeweils zzgl. MwSt. Dazu kommt die separate Lizenz eines berechtigenden Microsoft-365-Plans. Für Unternehmen bis 300 Nutzer gibt es Microsoft 365 Copilot Business: regulär 18,20 €, vom 1. Juli bis 31. Dezember 2026 im Rabattangebot für 15,60 € (jährliche Abrechnung, nur für bestehende Kunden mit berechtigtem Business-Tarif, Sonderpreis nur im ersten Jahr). Agent 365 kostet 15 USD pro Nutzer und Monat oder ist in Microsoft 365 E7 enthalten.
DSGVO + EU-Residency: Für EU-Kunden ist Microsoft 365 Copilot laut Microsoft ein Dienst innerhalb der EU-Datengrenze, AVV mit Microsoft ist Standard (Product Terms und Data Protection Addendum). Prompts, Antworten und Daten aus Microsoft Graph werden nicht zum Training der Basismodelle genutzt. Advanced Data Residency und Multi-Geo decken Copilot ab. Wichtige Ausnahme: Die Anthropic-Modelle, die Microsoft als Unterauftragsverarbeiter in Copilot anbietet, sind derzeit von der EU-Datengrenze ausgenommen. Wer sie zuschaltet, sollte das vorher mit dem Datenschutz klären.
Use-Case-Fit: Optimal wenn Ihr Unternehmen bereits auf M365 läuft und der Großteil der Arbeit in Outlook/Teams/Word/Excel passiert. Weniger passend, wenn Sie wenig Microsoft-Stack nutzen: Externe Quellen lassen sich zwar über Connectoren anbinden (Microsoft nennt mehr als 100), der Kernnutzen bleibt aber die Office-Integration.
ChatGPT Enterprise
Was es ist: OpenAIs Enterprise-Tier mit erweitertem Kontext-Fenster für längere Eingaben und größere Dateien, SCIM, Enterprise Key Management, Rollen- und Rechteverwaltung, Nutzungsanalysen und Datenresidenz in zehn Regionen. Darunter liegt ChatGPT Business, der Self-Service-Plan für Teams von 2 bis 200 Personen mit GPTs, Projects, Apps, Company Knowledge, ChatGPT Agent, Deep Research, Codex und Workspace Agents für eigene Abläufe. ChatGPT ist eine eigenständige Web-/Desktop-/Mobile-App, die über Apps auf interne Quellen und Drittanwendungen zugreift. Bei den Agenten ändert sich 2026 viel: Der Agent Builder wird am 30. November 2026 abgeschaltet, OpenAI empfiehlt den Umstieg auf das Agents SDK oder auf ChatGPT Workspace Agents. Neu sind „dots", dauerhaft laufende Agenten auf eigenem Cloud-Rechner. OpenAI rollt sie in berechtigten Märkten für Pro und Business Premium aus; Enterprise-Kunden können die Beta testen, wenn ein Admin sie freischaltet.
Preis 2026 (Stand Oktober 2026): Für ChatGPT Enterprise nennt OpenAI keinen Listenpreis, sondern verweist an den Vertrieb; Enterprise läuft im Jahresvertrag, laut Preisseite mit Volumenrabatten. ChatGPT Business kostet 20 USD pro Nutzer und Monat bei jährlicher Zahlung oder 25 USD monatlich (Standard-Seat), Premium-Seats mit fünfmal mehr Nutzung 100 bzw. 125 USD. Die Preise können je nach Land und Währung abweichen. Plus Implementations-Aufwände für GPTs, Agenten und Connector-Setup.
DSGVO + EU-Residency: ChatGPT Enterprise unterstützt Datenresidenz in zehn Regionen, darunter die EU. Daten aus Business und Enterprise nutzt OpenAI standardmäßig nicht für Modell-Training. Einen Data Processing Addendum (AVV) schließt OpenAI für Business, Enterprise und die API ab. Zero Data Retention und andere vertragliche Sonderregeln gibt es nur im Vertriebsweg, nicht im Self-Service-Plan Business.
Use-Case-Fit: Stärken bei breiten Knowledge-Worker-Aufgaben (Recherche, Brainstorming, Schreibtätigkeiten, Datenanalyse). GPTs und Workspace Agents sind ein guter Use-Case-Multiplikator. Schwächen bei tiefer Office-Integration.
Claude Enterprise (Anthropic)
Was es ist: Anthropics Enterprise-Tier. Team und Enterprise haben laut Preisseite ein Kontext-Fenster von bis zu 1 Million Token, je nach Modell. Aktuelle Modelle sind Claude Opus 5.5 (seit 22. September 2026) und Claude Sonnet 5.5 (seit 28. September 2026). Claude Code und Cowork sind in Team und Enterprise enthalten, eine separate Lizenz ist nicht nötig. Seit 16. September 2026 legt Anthropic Cowork und Chat zu einem Claude zusammen: Claude greift je nach Aufgabe auf Dateien, Tools und Connectoren zu und fragt standardmäßig vor Aktionen nach. Der Rollout läuft schrittweise, zuerst Pro und Max, Team folgt; Enterprise-Admins hören mindestens 30 Tage vorher davon. Claude Docs, Slides und Design sind als Beta dazugekommen, bei Enterprise erst nach Freischaltung durch den Admin. Über die Microsoft-365-Integration lässt sich Claude an Office anbinden.
Preis 2026 (Stand Oktober 2026): Claude Team (2 bis 150 Personen) kostet 20 USD pro Seat und Monat bei jährlicher Zahlung oder 25 USD monatlich, Premium-Seats mit fünfmal mehr Nutzung 100 bzw. 125 USD. Claude Enterprise kostet 20 USD pro Seat und Monat, jährlich abgerechnet, plus Nutzung zu API-Preisen, also abhängig von Modell und Aufgabe. Zur Orientierung: Opus 5.5 kostet in der API 4 USD pro Million Input-Token und 20 USD pro Million Output-Token, Sonnet 5.5 2 bzw. 10 USD. Enterprise gibt es self-serve oder über den Vertrieb. Für eine realistische TCO-Schätzung brauchen Sie deshalb eine Nutzungs-Prognose, nicht nur die Seat-Zahl.
DSGVO + EU-Residency: Anthropic bietet einen Data Processing Addendum (AVV) und trainiert bei Team und Enterprise standardmäßig nicht mit Ihren Inhalten. Bei Claude direkt von Anthropic werden Daten laut Anthropic in den USA gespeichert; die Verarbeitung kann in den USA, Europa, Asien und Australien laufen, Enterprise-Kunden mit nutzungsbasierter Abrechnung können reine US-Inferenz aktivieren. EU-Datenresidenz bietet Anthropic über Amazon Bedrock und Google Cloud Vertex an, Microsoft Foundry für Europa ist angekündigt. Am 1. September 2026 hat Anthropic die Enterprise Frontier Safeguards angekündigt: Monitoring-Daten sollen im eigenen Cloud-Speicher des Kunden liegen können (Amazon S3, Azure Blob Storage oder Google Cloud Storage) unter eigenen Schlüsseln, und die Missbrauchserkennung soll vollautomatisch ohne menschliche Prüfung durch Anthropic laufen können. Anthropic berechnet dafür nichts; die Verfügbarkeit soll im Laufe des Herbstes schrittweise starten.
Use-Case-Fit: Stärken bei langen Dokumenten (Verträge, technische Spezifikationen, größere Codebasen), bei strukturierter Analyse und bei Aufgaben über mehrere Dateien und Tools hinweg (Cowork, Claude Code). Office-Anbindung über die Microsoft-365-Integration, nicht als eingebauter Assistent in jeder Office-App wie bei Copilot.
Google Workspace Gemini
Was es ist: Googles Enterprise-KI in Google Workspace integriert (Gmail, Docs, Sheets, Slides, Drive, Meet). Vergleichbarer Tiefe-Integrations-Ansatz wie M365 Copilot, nur für den Google-Stack. Daneben gibt es die Gemini Enterprise App für Agenten und Suche über Unternehmensdaten, mit Connectoren auch zu Microsoft 365, HubSpot oder Jira. Für eigene Agenten hat Google im April 2026 die Gemini Enterprise Agent Platform als Weiterentwicklung von Vertex AI vorgestellt, unter anderem mit Agent Identity und Agent Registry.
Preis 2026 (Stand Oktober 2026): Gemini steckt in den regulären Workspace-Tarifen: Business Starter 6,80 € (Gemini in Gmail), Business Standard 13,60 € (Gemini in Gmail, Docs, Meet und anderen Apps), Business Plus 21,10 €, jeweils pro Nutzer und Monat ohne Steuern bei einjähriger Vertragsdauer. Die Business-Tarife gelten bis 300 Nutzer, Enterprise-Preise nur auf Anfrage. Die Gemini Enterprise App kostet ab 21 USD pro Seat und Monat (Business Edition, bis 300 Seats), Standard und Plus ab 30 USD.
DSGVO + EU-Residency: Gemini in Workspace fällt unter den Workspace-Vertrag inklusive Cloud Data Processing Addendum (AVV). Kundendaten nutzt Google laut eigenem Privacy Hub nicht ohne vorherige Erlaubnis für Modell-Training. Datenspeicherorte listet Google bei den Workspace-Enterprise-Tarifen, bei Gemini Enterprise in den Editionen Standard und Plus. Achtung: Die Datenregion-Einstellungen gelten laut Google nicht für Daten in Gemini Notebook.
Use-Case-Fit: Optimal wenn Ihr Unternehmen auf Google Workspace läuft. Meist nur relevant, wenn Workspace bei Ihnen bereits Standard ist.
30-Minuten-Gespräch zu Ihrer Tool-Auswahl →
Standortbestimmung
Wie KI-bereit ist dein Unternehmen?
Die Entscheidungs-Matrix: Welches Tool für welchen Mittelständler?
Wenn Sie überwiegend in Microsoft 365 arbeiten: Microsoft 365 Copilot. Tiefe Integration ist der Hebel, nicht der Seat-Preis.
Wenn Sie überwiegend in Google Workspace arbeiten: Google Workspace Gemini. Gleiche Logik wie M365 Copilot: Native-Integration schlägt Standalone-Tool.
Wenn Sie multi-Tool-Stack haben (M365 plus Slack plus Notion plus eigene Web-Apps): ChatGPT Enterprise. Standalone-Tool mit Connector-Architektur ist flexibler als jede Native-Integration. GPTs und Workspace Agents ermöglichen Workflow-Automatisierung. Wer heute Agenten im Agent Builder hat, muss bis 30. November 2026 umziehen.
Wenn Sie Engineering-/Tech-fokussiert sind oder lange Dokument-Verarbeitung dominiert: Claude Enterprise. Long-Context plus präzise Output-Qualität sind die Differenzierer. Claude Code ist in Team und Enterprise bereits enthalten.
Wenn Sie Agenten über mehrere Plattformen hinweg steuern wollen: Schauen Sie auf die Verwaltungsebene. Microsoft Agent 365 synchronisiert laut Microsoft auch Agenten aus Amazon Bedrock, Google Vertex AI, Salesforce Agentforce und Anthropic Claude Managed Agents in eine Registry. Den Vergleich der Agenten-Plattformen finden Sie im Beitrag Agent 365, Claude oder Gemini Enterprise?.
Wenn Sie regulierte Branche sind (Bank, Versicherung, Gesundheit, Pharma): Klären Sie zuerst, wo Daten verarbeitet und gespeichert werden. Microsoft 365 Copilot läuft für EU-Kunden innerhalb der EU-Datengrenze (Ausnahme: die in Copilot angebotenen Anthropic-Modelle), Google bietet Datenspeicherorte in den Enterprise-Tarifen, ChatGPT Enterprise Datenresidenz in der EU. Claude direkt von Anthropic speichert Daten in den USA; für EU-Verarbeitung führt der Weg über Amazon Bedrock oder Google Cloud. Vor jedem Rollout steht ein Compliance-Review (siehe AI Act 90-Tage-Plan).
Wenn Sie 100-plus Lizenzen brauchen: Verhandlungsspielraum. OpenAI nennt für Enterprise ausdrücklich Volumenrabatte, Enterprise-Verträge mit Anthropic und Google lassen sich ebenfalls über den Vertrieb abschließen. Fragen Sie konkret nach Rabatten und Laufzeiten. Einkaufs-Beratung lohnt sich.
Die typischen drei Fehler bei der Tool-Auswahl
Fehler 1: Auswahl primär nach Preis. Mittelständler vergleicht Seat-Preise, etwa 20 USD für Claude Team gegen 26,00 € für Microsoft 365 Copilot, wählt das günstigere Tool und merkt nach einigen Monaten, dass die Mehrheit der Mitarbeiter in Outlook/Teams/Word arbeitet. Dazu kommt: Bei Claude Enterprise ist der Seat nur ein Teil der Rechnung, die Nutzung läuft zusätzlich zu API-Preisen. Ohne passende Integration drohen die erhofften Time-Savings auszubleiben, und die Total-Cost-of-Ownership steigt trotz niedrigerem Seat-Preis.
Fehler 2: Pilot ohne KPI-Baseline. „Wir testen Copilot mal 3 Monate mit 20 Mitarbeitern" ohne Pre-Baseline-Messung von Cycle-Time, Output-Volumen, Qualitäts-Metriken. Nach 3 Monaten subjektive Einschätzung „lohnt sich" oder „lohnt sich nicht", ohne Daten-Grundlage. Mehr im KI-Reifegrad-Check.
Fehler 3: Tool ausrollen ohne Mitarbeiter-Schulung. Tool-Lizenz für 200 Mitarbeiter, aber keine Schulung. Das Risiko: Lizenzen werden kaum genutzt, der Productivity-Effekt bleibt bei einzelnen Power-Usern, der ROI rechnet sich nicht. Dazu kommt Art. 4 AI Act: Er verlangt Maßnahmen zum Aufbau von KI-Kompetenz, aber kein bestimmtes Niveau, keine verpflichtenden Schulungen und kein Zertifikat. Die nationalen Marktüberwachungsbehörden beaufsichtigen das seit dem 2. August 2026 (siehe KI-Kompetenz nach Art. 4 AI Act).
Praxis-Empfehlung: Wie Sentient die Entscheidung in Engagements 2026 strukturiert
Schritt 1: Stack-Inventur (1 Woche). Wo arbeiten welche Mitarbeiter mit welchen Tools heute? Microsoft-Anteil, Google-Anteil, Slack/Teams, Notion/Confluence, eigene Web-Apps. Output: prozentuale Verteilung Arbeitszeit pro Mitarbeiter-Cluster.
Schritt 2: Use-Case-Priorisierung (1 Woche). Welche 3-5 Use Cases haben den höchsten Productivity-Hebel? Mail-Triage, Meeting-Notes, Vertrags-Review, Datenanalyse, Code-Review, Kunden-Service. Pro Use Case: Cycle-Time-Schätzung pre-AI vs. mit-AI.
Schritt 3: Tool-Match nach Use-Case-Mehrheit. Wenn der Großteil der Top-Use-Cases in M365 stattfindet → Copilot. Wenn der Großteil in multi-Tool-Setup stattfindet → ChatGPT Enterprise plus Connector. Wenn der Großteil in Engineering oder langen Dokumenten liegt → Claude Enterprise.
Schritt 4: 90-Tage-Pilot mit 20 Mitarbeitern und KPI-Baseline. Pre-Baseline-Cycle-Time-Messung pro Use Case, dann 90 Tage produktive Nutzung mit Schulung, dann Post-Messung. Empirische Entscheidungs-Grundlage für Vollroll-out.
Schritt 5: Voll-Rollout mit Schulung. Unser Angebot: 599 € pro Lizenz, einmalig, Schulung plus Cowork und Claude Code. Zur Förderung: § 82 SGB III fördert nur Maßnahmen mit mehr als 120 Stunden, bei denen Maßnahme und Träger zugelassen sind. Kurze Schulungen unter 120 Stunden fallen nicht darunter (siehe KI-Förderung-Post).
Häufige Fragen
Wir haben heute keine offizielle Tool-Lizenz, Mitarbeiter nutzen ChatGPT auf privaten Accounts. Was tun? Sofort: Schatten-IT-Inventur. Mittelfristig: offizielle Tool-Auswahl plus Schulung plus AVV. Wer die Nutzung privater Accounts weiterlaufen lässt, hat ein Datenschutz-Risiko, weil zwischen Unternehmen und Anbieter kein Vertrag und damit kein AVV besteht. Für Art. 4 AI Act empfiehlt die Bundesnetzagentur, Maßnahmen zur KI-Kompetenz gut zu dokumentieren. Regeln für erlaubte Tools und Daten liefert unsere kostenlose KI-Richtlinie-Vorlage.
Können wir mehrere Tools parallel laufen lassen? Ja, oft sinnvoll. Ein mögliches DACH-Setup 2026: Microsoft 365 Copilot als Standard-Tool für alle (Email, Docs), plus Claude Enterprise für Engineering-Team und Vertrags-Reviews, plus ChatGPT Enterprise für Marketing/Sales-Power-User mit GPTs. Mit jedem weiteren Tool steigt aber der Verwaltungs-Aufwand, auch für Agenten und Berechtigungen.
Was kostet ein Wechsel zwischen Anbietern? Die Lizenz-Laufzeit ist bei den Enterprise-Plänen meist jährlich: Claude Enterprise gibt es nur im Jahresabo, ChatGPT Enterprise im Jahresvertrag, Microsoft 365 Copilot im Jahresabo, auch bei monatlicher Zahlung. Der größere Posten sind interne Kosten: Skill-Library, Agenten und Schulungen neu aufbauen, KPIs neu messen. Wie schnell sich Plattformen ändern, zeigt OpenAI: Der Agent Builder wird nach gut einem Jahr am 30. November 2026 abgeschaltet.
Wir sind Hidden Champion in Spezial-Nische, brauchen wir das überhaupt? Ja, weil Wettbewerber 2026 mit KI-gestützten Prozessen arbeiten. Mehr im Margin-Gap-Post. Hidden Champions ohne Tool-Setup riskieren ihre Wettbewerbs-Position.
Was ist mit Open-Source-Modellen wie Llama, Mistral, DeepSeek? Dieser Beitrag vergleicht offene Modelle nicht im Detail. Mehr dazu im Beitrag LLM selbst hosten vs. Managed.
Lohnt sich ein privates Copilot-Abo (früher Copilot Pro, heute Microsoft 365 Premium) für Geschäfts-Nutzung? In der Regel nein. Copilot Pro verkauft Microsoft nicht mehr, der Support endete am 1. August 2026. Der Nachfolger Microsoft 365 Premium (22,00 € pro Monat) richtet sich an Privatpersonen und lässt sich mit bis zu fünf weiteren Personen teilen, geteilt werden aber nur Apps und Speicher; die KI-Funktionen gehören allein dem Abo-Inhaber. Für den Unternehmenseinsatz ist Microsoft 365 Copilot der Weg unter Microsofts Product Terms und Data Protection Addendum; ein privates Abo ersetzt keinen Unternehmensvertrag.
KI-Kompetenz nach Art. 4 AI Act: Was Geschäftsführer jetzt wissen sollten →
Quellen
Preise und Produktangaben abgerufen am 5. Oktober 2026 (OpenAI-Seiten: Stand 2. bis 4. Oktober 2026).
- Microsoft: Microsoft 365 Copilot, Preise
- Microsoft: Microsoft 365 Copilot Business, Preise
- Microsoft Learn: Data, Privacy, and Security for Microsoft Copilot
- Microsoft Learn: Manage Entra Agent IDs in Copilot Studio
- Microsoft Security Blog: Microsoft Agent 365 now generally available (1. Mai 2026)
- Microsoft Learn: Agent 365 connected platforms
- Microsoft Support: About Microsoft Copilot Pro
- Microsoft: Microsoft 365 Premium
- OpenAI: ChatGPT Pricing
- OpenAI Help Center: ChatGPT Business Overview
- OpenAI: Enterprise Privacy
- OpenAI: API Deprecations (Agent Builder)
- OpenAI: Introducing dots
- Anthropic: Claude Pricing
- Anthropic: Claude Opus 5.5
- Claude Code Changelog (Sonnet 5.5)
- Anthropic: Cowork is now Claude (16. September 2026)
- Anthropic: Enterprise Frontier Safeguards (1. September 2026)
- Anthropic Privacy Center: Where are your servers located?
- Anthropic: Regional Compliance
- Google Workspace: Preise
- Google Cloud: Gemini Enterprise
- Google Workspace: Generative AI in Google Workspace Privacy Hub
- Google Cloud: Next 2026 Wrap-up (Gemini Enterprise Agent Platform)
- EU-Kommission: AI Literacy Questions & Answers
- Bundesnetzagentur: KI-Kompetenz
- § 82 SGB III
Über den Autor
Sebastian Lang ist Co-Founder von Sentient Dynamics und leitet das Agentic-University-Programm. Vor Sentient war er bei SAP in der Strategy-Practice für KI-Workforce-Programme verantwortlich, mit 15 plus Jahren Engineering-Leadership-Erfahrung. Sentient Dynamics arbeitet mit einem Lizenzmodell und ist im SHD- sowie Bregal-Portfolio im Einsatz.
Standortbestimmung
Wie KI-bereit ist dein Unternehmen?
Der Readiness-Check zeigt in wenigen Minuten, wo ihr steht und was als Nächstes sinnvoll ist.
Über den Autor
Co-Founder · Business & Content Lead
Co-Founder von Sentient Dynamics. 15+ Jahre Business-Strategie (u.a. SAP), MBA. Schreibt über AI-Act-Compliance, ROI-Messung und wie Mittelstand-CTOs agentische KI tatsächlich einführen.