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KI im Mittelstand 2026: Was die Studien messen

57 Prozent, 54,5 Prozent oder 20 Prozent: Die KI-Studien 2026 widersprechen sich nur scheinbar. Eine Tabelle mit Stichprobe, Frage und Wert, und was die Zahlen für den Mittelstand heißen.

Sebastian LangSebastian Lang5. Oktober 202614 Min. Lesezeit
KI im Mittelstand 2026: Was die Studien messen

Wie verbreitet ist KI im Mittelstand 2026? Je nachdem, welche Studie du liest, lautet die Antwort 20 Prozent, 47,2 Prozent, 57 Prozent oder 76 Prozent. Keine dieser Zahlen ist falsch. Sie messen nur verschiedene Dinge: andere Unternehmensgrößen, andere Fragen, andere Zeiträume. Wer sie in einer Vorstandsvorlage nebeneinanderstellt, ohne das dazuzuschreiben, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Dieser Beitrag legt die wichtigsten Erhebungen aus den letzten zwölf Monaten in eine Tabelle, erklärt, was jede davon misst, und zieht nur die Schlüsse, die die Zahlen auch tragen.

TL;DR

  • Die Nutzung hat 2026 die Mehrheit erreicht. 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten setzen KI ein (Bitkom), 54,5 Prozent laut ifo. Mittelgroße Firmen liegen bei ifo mit 47,2 Prozent hinter kleinen und großen.
  • Agenten sind noch die Ausnahme, aber in Planung. Von den Unternehmen, die KI nutzen, planen oder diskutieren, setzen 11 Prozent schon KI-Agenten ein und 29 Prozent planen es (Bitkom). 81 Prozent der von Dataiku befragten CIOs fehlt der vollständige Überblick über Agenten, die außerhalb formaler Kanäle entstehen.
  • Kompetenz, Recht, Sicherheit und Integration zählen zu den zentralen Hürden. 85 Prozent der Unternehmen ohne KI nennen fehlendes Know-how (Bitkom). Laut BCG hebt eine klare Strategie die messbare Wirkung um 25 Prozentpunkte, bessere Tools allein um rund 5.

Die Zahlen auf einen Blick

Die Tabelle zeigt pro Zeile genau eine Kennzahl, mit der Stichprobe, auf die sie sich bezieht. Lies sie zeilenweise: Ein Wert gilt nur für die Gruppe, die in seiner Zeile steht.

StudieDatumStichprobeKennzahlWertQuelle
Bitkom, KI-Befragung14.09.2026603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, telefonisch, KW 28 bis 33/2026setzen KI ein57 % (2025: 36 %)Bitkom
Bitkom, KI-Befragung14.09.2026Unternehmen, die KI nutzen, planen oder diskutierensetzen KI-Agenten ein11 % (29 % planen)Bitkom
Bitkom Research, Digitalisierung der Wirtschaft11.03.2026604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, telefonisch, KW 2 bis 6/2026nutzen KI41 % (48 % planen oder diskutieren)Bitkom Research
ifo Institut05.06.2026ifo-Umfrage unter Unternehmen in Deutschland, Mai 2026nutzen KI in Geschäftsprozessen54,5 %; mittelgroße Firmen 47,2 %ifo
KfW Research, Fokus Nr. 55429.07.2026KfW-Mittelstandspanel (Umsatz bis 500 Mio. Euro, auch Kleinstbetriebe), Befragung Frühjahr 2025haben 2022 bis 2024 mindestens eine KI-Technologie genutzt20 %KfW
Eurostat11.12.2025Unternehmen ab 10 Beschäftigten einschließlich Selbstständiger in ausgewählten Wirtschaftszweigen der EU, Datenjahr 2025nutzen mindestens eine der abgefragten KI-TechnologienEU 19,95 %, Deutschland 25,97 %Eurostat
techconsult für CANCOM und ServiceNow02.07.2026IT- und Fachentscheider aus Firmen mit 500 bis unter 2.000 Beschäftigten, Anfang 2026nutzen KI produktiv76 %CANCOM
McKinsey, State of AI 202625.08.20261.719 Befragte in 97 Ländern, 4. Mai bis 8. Juni 2026skalieren KI-Agenten: Organisationen über 1 Mrd. US-Dollar Umsatz und kleinere40 % und 22 %McKinsey
BCG, AI at Work 202603.06.202611.749 Beschäftigte in 14 MärktenAgenten sind in Arbeitsabläufe integriert30 % (Vorjahr 13 %)BCG
Dataiku, CIO Edition 202624.09.2026685 CIOs in acht Ländern, darunter Deutschland, 9. bis 29. Juli 2026fehlt der vollständige Überblick über Agenten außerhalb formaler Kanäle81 %Dataiku

Ein Hinweis zu unserem eigenen Archiv: Der Beitrag Bitkom 2026: 89 Prozent der deutschen Unternehmen sind bei KI dabei stützt sich auf die Bitkom-Befragung vom Jahresanfang, und seine 89 Prozent addieren 41 Prozent Nutzer und 48 Prozent Unternehmen, die den Einsatz planen oder diskutieren, messen also die Beschäftigung mit KI, während die 57 Prozent aus dem September nur Unternehmen zählen, die KI tatsächlich einsetzen.

Wie viele Unternehmen KI nutzen

Die jüngste hier betrachtete Bitkom-Befragung vom September 2026 zeigt: 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten setzen KI ein. 2025 waren es 36 Prozent, 2024 erst 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz, nur noch 4 Prozent halten KI für kein Thema. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fasst es so zusammen: "Künstliche Intelligenz ist keine Sache einzelner Vorreiter, sie ist in der Breite der Wirtschaft angekommen."

Breite ist aber nicht Tiefe. Kein Unternehmen mit KI-Einsatz gibt an, das Potenzial vollständig zu nutzen. Gerade 3 Prozent schöpfen es nach eigener Einschätzung eher stark aus, 28 Prozent wenig und 59 Prozent überhaupt nicht. Wintergerst dazu: "Für die meisten ist damit aber nur der Einstieg geschafft, die eigentliche Arbeit beginnt jetzt."

Das ifo Institut kommt mit einer anderen Befragung auf einen ähnlichen Wert: 54,5 Prozent der Unternehmen nutzten im Mai 2026 KI in ihren Geschäftsprozessen, ein Jahr zuvor waren es 40,9 Prozent. Am weitesten verbreitet ist KI in der Industrie (58,7 Prozent) und bei Dienstleistern (56,2 Prozent), im Handel liegt sie bei rund 45 Prozent. Im Bau stieg der Anteil binnen drei Jahren von 7,1 auf 39,8 Prozent.

Warum Bitkom zwei verschiedene Vorjahreswerte hat

Wer genau hinsieht, stolpert über einen scheinbaren Widerspruch. Die Bitkom-Befragung vom März 2026 meldet 41 Prozent Nutzer und nennt für das Vorjahr 17 Prozent. Die Bitkom-Befragung vom September meldet 57 Prozent und nennt für 2025 einen Wert von 36 Prozent. Beide stammen von Bitkom, beide befragen rund 600 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Es sind aber zwei getrennte Befragungsreihen zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr.

Die Lehre daraus: Vergleiche Entwicklungen nur innerhalb einer Reihe. 17 auf 41 Prozent ist eine Aussage, 36 auf 57 Prozent ist eine Aussage. "17 auf 57 Prozent" wäre keine.

Warum Eurostat so viel niedriger liegt

Eurostat meldet für 2025, dass 19,95 Prozent der EU-Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten KI nutzen, in Deutschland 25,97 Prozent. Erfasst werden Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten einschließlich Selbstständiger in ausgewählten Wirtschaftszweigen; ausgeschlossen sind unter anderem Landwirtschaft, Forst und Fischerei, Bergbau und der Finanzsektor. Spitzenreiter ist Dänemark mit 42,03 Prozent, vor Finnland (37,82) und Schweden (35,04). Eurostat zählt ein Unternehmen nur dann als Nutzer, wenn es mindestens eine Technologie aus einer festen Liste einsetzt, etwa Text Mining, Spracherkennung, Textgenerierung, Bilderkennung oder maschinelles Lernen. Dazu kommen das Datenjahr 2025 und die Untergrenze von 10 Beschäftigten. Die Werte sind deshalb nicht direkt mit Bitkom oder ifo vergleichbar.

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Wie viele schon Agenten einsetzen

Bei KI-Agenten gehen die Zahlen noch weiter auseinander, weil jede Studie eine andere Einheit zählt: Unternehmen, Organisationen weltweit oder einzelne Beschäftigte.

Bitkom zählt Unternehmen in Deutschland. Von den Unternehmen, die KI nutzen oder deren Einsatz planen beziehungsweise diskutieren, setzen 11 Prozent schon Agenten ein, 29 Prozent planen den Einsatz und 31 Prozent diskutieren ihn. Für 24 Prozent ist das Thema derzeit keins. Wintergerst: "KI-Agenten stehen heute etwa dort, wo Künstliche Intelligenz insgesamt vor drei Jahren stand. Sie werden sich aber ähnlich schnell verbreiten."

CANCOM und ServiceNow zählen den gehobenen Mittelstand. In Unternehmen mit 500 bis unter 2.000 Beschäftigten nutzen oder testen 21 Prozent agentenbasierte Ansätze, 36 Prozent planen die Einführung in den nächsten zwölf Monaten. Die Studie wurde von den beiden Anbietern beauftragt, das solltest du beim Lesen im Kopf behalten.

McKinsey zählt Organisationen weltweit, die Agenten skalieren. Etwa zwei von zehn Befragten sind mit KI-Agenten in der Skalierungsphase. Bei Organisationen mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar Umsatz sind es 40 Prozent, nach 27 Prozent im Vorjahr. Kleinere Organisationen bleiben unverändert bei 22 Prozent. Bei Coding-Agenten skalieren ebenfalls etwa zwei von zehn, in größeren Unternehmen 31 Prozent. 32 Prozent der Befragten berichten, dass ihre Organisation auf den Kauf mindestens eines Softwareprodukts oder einer Funktion verzichtet hat, weil sie die Funktionalität intern mit agentischen Coding-Tools entwickeln konnte.

BCG zählt Beschäftigte. 30 Prozent der befragten Beschäftigten sagen, dass Agenten bereits in ihre Arbeitsabläufe integriert sind, im Vorjahr waren es 13 Prozent. 61 Prozent halten es für möglich, dass Agenten innerhalb von drei Jahren mindestens die Hälfte ihrer Arbeit erledigen. Gleichzeitig haben 52 Prozent nur ein begrenztes Verständnis davon, was Agenten überhaupt sind.

11, 22 und 30 Prozent widersprechen sich also nicht. Sie beantworten drei verschiedene Fragen. Wer Agenten im eigenen Haus einführen will, findet die Grundlagen in unserem Beitrag zu Human-in-the-Loop und Agenten-Autonomie.

Was der Mittelstand anders macht

Der Mittelstand liegt bei der Nutzung nicht in der Mitte, sondern zum Teil hinten. Bei ifo nutzen große Unternehmen KI zu 67,2 Prozent, kleine zu 51,2 Prozent und mittelgroße nur zu 47,2 Prozent.

KfW: 20 Prozent, aber mit anderer Grundgesamtheit

Die KfW kommt im Fokus Volkswirtschaft Nr. 554 auf deutlich weniger: 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben in den Jahren 2022 bis 2024 mindestens eine KI-Technologie genutzt. Das KfW-Mittelstandspanel umfasst private Unternehmen aller Branchen mit bis zu 500 Millionen Euro Jahresumsatz, also auch Kleinstbetriebe, die bei Bitkom (ab 20 Beschäftigten) gar nicht vorkommen. Befragt wurde im Frühjahr 2025, abgefragt wurde der Zeitraum 2022 bis 2024.

Spannender als die Quote ist, was genutzt wird. Am häufigsten ist die Erzeugung natürlicher Sprache, also etwa Chatbots oder ChatGPT (14 Prozent), gefolgt von Texterkennung (10 Prozent). Data Analytics (3 Prozent) und KI für autonome Maschinen (1 Prozent) sind selten. Auch Betriebe mit weniger als 5 Beschäftigten nutzen KI: 13 Prozent die Spracherzeugung, 9 Prozent die Texterkennung.

Die wichtigste Aussage der KfW für dich: Entscheidend für den KI-Einsatz ist weniger die Unternehmensgröße als der Digitalisierungsgrad, vorhandenes digitales Know-how und die generelle Innovationstätigkeit.

KfW: KI-Nutzer schneiden besser ab, aber ungleich verteilt

Im Fokus Nr. 558 vom September 2026 hat die KfW den Zusammenhang zwischen KI-Einsatz und Geschäftserfolg im Mittelstand untersucht, unter Berücksichtigung anderer Erfolgstreiber. Die Performanceindikatoren beziehen sich auf das Jahr 2024, die KI-Nutzung auf 2022 bis 2024. Als statistischer Zusammenhang: KI-nutzende Unternehmen wuchsen 2024 beim Umsatz im Durchschnitt um 1,1 Prozentpunkte stärker als vergleichbare Unternehmen ohne KI, erzielten eine um 0,9 Prozentpunkte höhere Umsatzrendite und eine um 7,6 Tausend Euro je Vollzeitbeschäftigten (rund 3,4 Prozent) höhere Arbeitsproduktivität.

Die Einschränkung steht gleich daneben. Beim Wachstum und vor allem bei der Rendite konzentriert sich der positive Zusammenhang auf Unternehmen, die ohnehin wachsen oder profitabel sind. Die KfW folgert, dass KI-Nutzung derzeit zu einer stärkeren Spreizung der Unternehmensperformance führt. Sie wertet die Befunde zugleich als Momentaufnahme: Künftig dürften mehr Unternehmen profitieren, als sich heute messen lässt.

McKinsey: Der Abstand zwischen groß und klein wächst

Auch international ziehen die Großen davon. In der McKinsey-Studie stieg der Anteil der Organisationen über 1 Milliarde US-Dollar Umsatz, die Agenten skalieren, von 27 auf 40 Prozent. Kleinere Organisationen blieben bei 22 Prozent. Ein Mittelständler nach der Abgrenzung der KfW (bis 500 Millionen Euro Jahresumsatz) liegt klar unter dieser Schwelle.

Woran es scheitert: Kompetenz und Kontrolle

Kompetenz, Recht, Sicherheit und Integration zählen in diesen Studien zu den zentralen Hürden.

Kompetenz: Das Know-how fehlt, die Schulungen nehmen zu

Bei Bitkom nennen 85 Prozent der Unternehmen ohne KI fehlendes technisches Know-how als Grund. Dahinter folgen rechtliche Unklarheiten (66 Prozent), schwer kalkulierbare Kosten (63 Prozent) und fehlendes Personal (51 Prozent). Unternehmen, die KI schon einsetzen, kämpfen vor allem mit Datenschutzanforderungen (66 Prozent) und rechtlicher Verunsicherung (56 Prozent).

Die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten schätzen 66 Prozent der Unternehmen als gering ein, nur 28 Prozent als hoch. Immerhin: 70 Prozent aller Unternehmen schulen inzwischen im Umgang mit KI, unter den KI-Nutzern sind es 91 Prozent. Jedes vierte Unternehmen (25 Prozent) bietet aber gar keine Schulung an, im Vorjahr waren es noch 43 Prozent. Wintergerst: "Kompetenz entsteht mit dem KI-Einsatz, aber sie entsteht nicht von allein."

BCG zeigt, wo es im Alltag hakt. 42 Prozent der regelmäßig nutzenden Beschäftigten an der Front sparen nach eigener Angabe mindestens einen vollen Arbeitstag pro Woche, aber 66 Prozent sagen, dass sie wenig oder keine Anleitung bekommen, was sie mit dieser Zeit tun sollen. 47 Prozent verbringen mehr Zeit damit, KI zu steuern, als die eigentliche Arbeit zu machen. Der stärkste Hebel ist laut BCG nicht das Tool: Eine klare Strategie hebt die messbare Wirkung um 25 Prozentpunkte, bessere Tools allein um rund 5. Wo Arbeitsabläufe neu gestaltet werden, ist eine messbare Verbesserung um 24 Prozentpunkte wahrscheinlicher.

Im gehobenen Mittelstand sieht die CANCOM-Studie die Hürden etwas anders verteilt: IT-Sicherheit und Risikomanagement (38 Prozent), Kosten und Budget (28 Prozent), fehlende Expertise (25 Prozent), Datensouveränität (23 Prozent) und regulatorische Unsicherheit (22 Prozent). Nur 26 Prozent haben KI vollständig in ihre Kernprozesse integriert, 49 Prozent verfolgen Insellösungen einzelner Abteilungen, und 16 Prozent nutzen unkontrollierte Schatten-KI. Wie du Schatten-KI in den Griff bekommst, steht in unserem Beitrag zu Schatten-KI und Governance.

Kontrolle: Agenten entstehen schneller, als die IT folgen kann

Die Dataiku-Befragung unter 685 CIOs in acht Ländern, darunter Deutschland, zeigt die Kehrseite der Agenten-Welle:

  • 84 Prozent stimmen zu, dass Beschäftigte KI-Agenten und Anwendungen schneller bauen, als die IT sie steuern kann.
  • 81 Prozent fehlt der vollständige Überblick über Agenten, die komplett außerhalb freigegebener Systeme oder formaler Kanäle entstanden sind.
  • 83 Prozent haben kein standardisiertes Lebenszyklus-Management für Agenten.
  • 72 Prozent können nicht durchgängig bestätigen, ob Agenten die Geschäftsergebnisse liefern, für die sie gebaut wurden.
  • 47 Prozent haben in diesem Jahr bereits mehr als 20 Agenten wieder stillgelegt.

Das deckt sich mit dem Satz, den Bitkom-Präsident Wintergerst zu Agenten formuliert hat: "Ein Agent, der eigenständig handelt, braucht verlässliche Daten, verbundene Systeme und Regeln, was er darf und was er zu lassen hat."

Solche Regeln müssen nicht bei null anfangen. Unsere Vorlage enthält in Anlage A ein Agenten-Register, Freigabestufen für Agenten-Aktionen und Abschnitte zu Konnektoren, menschlicher Aufsicht und Protokollierung.

Was das für die nächsten 12 Monate heißt

Aus den Studien folgen vier Punkte. Sie sind keine Prognosen, sondern stützen sich direkt auf die Zahlen oben.

1. Vom Einstieg zur Tiefe. Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzt KI, aber 59 Prozent der Nutzer schöpfen das Potenzial nach eigener Einschätzung überhaupt nicht aus (Bitkom). Die Aufgabe für die nächsten zwölf Monate ist also nicht das erste Tool, sondern der Schritt vom Einzelversuch zum festen Prozess. Wie das gelingt, beschreibt unser Beitrag vom KI-Pilot zum KI-Programm.

2. Regeln für Agenten vor dem Rollout. Unter den Unternehmen, die KI nutzen, planen oder diskutieren, planen 29 Prozent den Einsatz von Agenten (Bitkom), im gehobenen Mittelstand wollen 36 Prozent binnen zwölf Monaten starten (CANCOM). Gleichzeitig fehlt 81 Prozent der befragten CIOs schon heute der vollständige Überblick über Agenten, die außerhalb formaler Kanäle entstehen (Dataiku). Daraus folgt für uns: Wer Agenten plant, sollte vorher ein Register, Freigabestufen und klare Verantwortliche festlegen, zum Beispiel mit unserer KI-Richtlinie als Vorlage.

3. Budget für Kompetenz, Daten und Integration, nicht nur für Lizenzen. Für die KI-Anwender bei Bitkom sind Infrastruktur (51 Prozent), Datenaufbereitung (50 Prozent) und Integration (41 Prozent) die großen Kostenpunkte, Lizenzen nur für 21 Prozent. Wintergerst: "Wer nur eine Lizenz kauft, hat KI eingekauft, aber noch nichts verändert." BCG zeigt mit dem Strategie-Hebel in dieselbe Richtung, die KfW nennt gezielte Qualifizierung von Beschäftigten ausdrücklich als Ansatzpunkt. Rechtlich verlangt Art. 4 AI Act Maßnahmen zum Aufbau von KI-Kompetenz, aber kein bestimmtes Niveau, keine vorgeschriebenen Schulungen und kein Zertifikat; die Bundesnetzagentur empfiehlt, die Maßnahmen gut zu dokumentieren. Details dazu in unserem Beitrag zur KI-Kompetenz nach Art. 4 und dem Digital Omnibus und zu Kosten und Förderung von KI-Schulungen.

4. Der Abstand wächst derzeit. Mittelgroße Firmen liegen bei ifo hinter kleinen und großen, McKinsey sieht große Organisationen beim Skalieren von Agenten davonziehen, und die KfW beobachtet eine stärkere Spreizung der Performance, vor allem zugunsten von KI-Nutzern, die ohnehin wachsen oder profitabel sind. Die KfW nennt das eine Momentaufnahme. Aus unserer Sicht spricht es trotzdem dafür, jetzt mit einem klar umrissenen Anwendungsfall einzusteigen, statt das Thema auf das nächste Jahr zu verschieben.

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FAQ

Wie viele Mittelständler nutzen KI 2026?

Das hängt davon ab, wie Mittelstand abgegrenzt wird. Bei ifo nutzen mittelgroße Unternehmen KI im Mai 2026 zu 47,2 Prozent, im gehobenen Mittelstand mit 500 bis unter 2.000 Beschäftigten setzen laut CANCOM-Studie 76 Prozent KI produktiv ein. Das KfW-Mittelstandspanel, das auch Kleinstbetriebe umfasst, kommt für den Zeitraum 2022 bis 2024 auf 20 Prozent.

Warum liefern KI-Studien so unterschiedliche Zahlen?

Weil sie Unterschiedliches messen: Die Grundgesamtheit reicht von Firmen ab 10 Beschäftigten (Eurostat) über Firmen ab 20 Beschäftigten (Bitkom) bis zu allen Mittelständlern inklusive Kleinstbetrieben (KfW). Dazu kommen andere Fragen, andere Zeiträume und andere Einheiten, denn BCG befragt Beschäftigte und nicht Unternehmen. Vergleiche Entwicklungen deshalb nur innerhalb derselben Befragungsreihe.

Welche Branche nutzt KI am meisten?

In der EU nutzen laut Eurostat 2025 die Unternehmen aus Information und Kommunikation KI am häufigsten (62,52 Prozent), gefolgt von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (40,43 Prozent). In Deutschland liegt bei ifo 2026 die Industrie mit 58,7 Prozent vorn, knapp vor den Dienstleistern mit 56,2 Prozent. In der ifo-Umfrage von 2025 lagen Werbung und Marktforschung (84,3 Prozent) sowie IT-Dienstleister (73,7 Prozent) an der Spitze.

Warum nutzen Großunternehmen mehr KI als kleine Betriebe?

Eurostat misst 2025 einen klaren Abstand: 55,03 Prozent der großen, 30,36 Prozent der mittleren und 17 Prozent der kleinen EU-Unternehmen nutzen KI. Als mögliche Erklärungen nennt Eurostat die Komplexität der Einführung, Skaleneffekte und Kosten. Die KfW betont für den deutschen Mittelstand, dass Digitalisierungsgrad, digitales Know-how und Innovationstätigkeit wichtiger sind als die reine Größe.

Was sind die größten Hürden für KI im Mittelstand?

Bei Unternehmen ohne KI steht fehlendes technisches Know-how ganz oben (85 Prozent), gefolgt von rechtlichen Unklarheiten (66 Prozent) und schwer kalkulierbaren Kosten (63 Prozent), so Bitkom. Wer KI schon nutzt, nennt vor allem Datenschutzanforderungen (66 Prozent) und rechtliche Verunsicherung (56 Prozent). Im gehobenen Mittelstand führen IT-Sicherheit und Risikomanagement mit 38 Prozent (CANCOM).

Lohnt sich KI für Unternehmen überhaupt?

Die Daten zeigen beides. Laut KfW gehen KI-Nutzung und Geschäftserfolg im Mittelstand zusammen: KI-nutzende Mittelständler wuchsen 2024 im Durchschnitt um 1,1 Prozentpunkte stärker als vergleichbare Unternehmen ohne KI und waren rund 3,4 Prozent produktiver (statistischer Zusammenhang, kein Beleg für Ursache und Wirkung). Zwei Drittel der KI-Anwender bei Bitkom (66 Prozent) haben ihre Wettbewerbsposition verbessert. Zugleich berichtet in der Bitkom-Befragung vom Jahresanfang ein Drittel (33 Prozent) der KI-nutzenden Unternehmen von deutlich höheren Kosten als erwartet, und bei McKinsey sehen 80 Prozent der Befragten individuelle Produktivitätsgewinne, aber nur 37 Prozent der Befragten eine Wirkung auf das Unternehmensergebnis (EBIT).

Quellen

Standortbestimmung

Wie KI-bereit ist dein Unternehmen?

Der Readiness-Check zeigt in wenigen Minuten, wo ihr steht und was als Nächstes sinnvoll ist.

Sebastian Lang

Über den Autor

Sebastian Lang

Co-Founder · Business & Content Lead

Co-Founder von Sentient Dynamics. 15+ Jahre Business-Strategie (u.a. SAP), MBA. Schreibt über AI-Act-Compliance, ROI-Messung und wie Mittelstand-CTOs agentische KI tatsächlich einführen.

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